Die selbstbestimmte Geburt - natürlich gebären

Die selbstbestimmte Geburt

Da ich ja nun auf der Zielgeraden zum Windelfrei bin, also in den letzten Zügen der Schwangerschaft, möchte ich gerne noch ein wenig darüber berichten. Also über meine Vorbereitung auf die Geburt, meine hoffentlich selbstbestimmte Geburt.

Da unsere Wohnung nicht weit vom Krankenhaus entfernt ist und dieses auch als „kinderfreundlich“ gilt, also das Bonding nach der Geburt unterstützt usw., habe ich mich entschieden, dort zu entbinden. Ich war schon früh in der Schwangerschaft dort zum Infoabend mit Kreissaalführung und kannte andere Mütter, die dort entbunden haben und zufrieden waren.

Buchempfehlung: Die selbstbestimmte Geburt

Auf dem Seminar zum Windelfrei-Coach empfahl mir eine Teilnehmerin das Buch „Die selbstbestimmte Geburt“ von der Hebamme Ina May Gaskin. Ich bestellte es mir gleich und fing an zu lesen. Ehrlich gesagt finde ich, dass jede Schwangere dieses Buch lesen sollte. Es ist ein wunderbares Buch, ein Handbuch für werdende Eltern und einem großen ersten Kapitel mit Erfahrungsberichten.

Es führt einem vor Augen, was der weibliche Körper alles vollbringen kann ohne medizinische Eingriffe, wenn sich die Frau in der richtigen Umgebung befindet, also in einer geschützten Atmosphäre, und von den richtigen Menschen unterstützt wird. Es werden Kräfte freigesetzt, die wir immer schon hatten, die aber in Vergessenheit geraten sind. Es führt einem auch vor Augen, welche absurde Entwicklung die Geburt in unserer westlichen Gesellschaft genommen hat.

Grundsätzlich ist meine Erkenntnis aus dem Buch, dass die Geburt etwas völlig natürliches ist, vor der man keine Angst, aber natürlich Respekt haben soll oder kann und bis auf wenige, medizinisch tatsächlich indizierte Ausnahmen jede Frau in der Lage ist, eine natürliche Geburt zu erleben, wenn man sie nur lässt. Hier liegt der Hund begraben.

Einleitung der Geburt

Dieses Thema beschäftigt mich gerade sehr. Nachdem natürlich auch im Buch über die selbstbestimmte Geburt darüber geschrieben wurde und ich mich nun gut informiert fühle, möchte ich auf keinen Fall eine medizinisch medikamentös eingeleitete Geburt. Wenn alles normal verläuft, schaut man ja erst einmal und wartet den Errechneten Geburtstermin ab. Ab da wird es anstrengend. Dann wird schon alle 2 Tage kontrolliert und ein CTG geschrieben. Normalerweise wartet man – je nach Klinik – noch 7 bis 10 Tage ab. Dann wird eingeleitet.

Medikamente zur Einleitung

Aus medizinischer Sicht gibt es verschiedene Möglichkeiten der Einleitung. Wenn noch nicht geschehen, kann zum Beispiel die Fruchtblase zum Platzen gebracht werden, was häufig eine Wehentätigkeit zur Folge hat. Das Problem ist, dass man nach einem Blasensprung nicht ewig wartet, dass es mit der Geburt vorangeht. Geschieht nichts, wird irgendwann zu weiteren Mitteln gegriffen.

Steht bei der Frau der Beginn der Geburt mit ersten natürlichen Wehen an, schüttet der Körper Oxytocin aus. Dieses Hormon bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Bleiben die Wehen jedoch aus, wird in Kliniken gern ein Wehentropf (Pitocin-Tropf-Infusion) gesetzt, der künstliches, also synthetisch hergestelltes Oxytocin enthält. Dadurch kommt es aber nicht in Eigenaktion zu stärkeren Wehen, sondern das Mittel wird so lange oder in solchen Mengen gereicht, bis die Kontraktionsstärke den Ärzten passt. Sehr häufig geraten Babys unter der Geburt dann in großen Stress, da sich die Gebärmutter mehr zusammenzieht, als sie es unter normalen Umständen tun würde. Folgen davon sind dann der häufige Einsatz von Zange oder Saugglocke oder ein Kaiserschnitt.

Des Weiteren werden auch Prostaglandine eingesetzt. Vom eigenen Körper produzierte Prostaglandine machen den unteren Teil der Gebärmutter und die Zervix (Gebärmutterhals) weich, um die Geburt voran zu bringen. Auch hier gibt es synthetische Mittel als Nachahmer, wie Prepidil®, ein Zervixgel.

In dem von mir gewählten Krankenhaus ist das Medikament der Wahl Cytotec. Gruselig!! Es ist eigentlich ein Medikament zur Behandlung von Magenbeschwerden. Es ist nicht angemeldet als Medikament in der Geburtsmedizin. Deshalb wird es bei uns als „Off-Label“ Medikament geführt. Es gibt nicht mal eine Dosierungsanleitung, sodass jeder Arzt oder jedes Krankenhaus der Schwangeren andere Dosierungen vorschlagen kann. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man richtig über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt wird, sonst würden sicher viel mehr Frauen die Einleitung der Geburt mit diesem Medikament ablehnen. Ina May Gaskin hat sich die Mühe gemacht, aus 49 Studien alle Nebenwirkungen rauszusuchen und stieß auf Totgeburten oder Gehirnschädigungen bei Neugeborenen sowie verstärkte vaginale Blutungen, Entfernungen der Gebärmutter oder auch Gebärmutterrupturen.

Mein Vorgespräch im Krankenhaus

Gerade hatte ich mein Vorgespräch im Krankenhaus zu meiner Geburt, zuerst mit dem wenig empathischen Oberarzt und dann mit einer Hebamme im Kreissaal, die sehr nett war. Als ich erwähnte, wie schlimm ich Cytotec finde, sagte die Hebamme zu mir, sie wüsste das, es sei dann aber gesetzlich vorgeschrieben, das Mittel zu verabreichen.

Heißt das, ich werde am Ende gezwungen, der Gabe von Cytotec zuzustimmen? Immerhin muss ich es unterschreiben … Nun habe ich ein sehr ungutes Gefühl, dort noch zu entbinden. Aber welche Möglichkeiten stehen mir kurz vor der Geburt noch offen? Ich werde meine Hebamme dazu befragen. Im Moment kann ich nur hoffe, dass meine Wehentätigkeit vor dem oder am errechnetem Geburtstermin beginnt. Dann bin ich diese Sorge schon mal los.

Und wenn nicht, werde ich versuchen, alle im Buch vorgeschlagenen, natürlichen Methoden anzuwenden, auch wenn Sie dem Krankenhaus unorthodox erscheinen. Aber es ist ja mein Körper, meine selbstbestimmte Geburt, mein Erlebnis. Und da sollte ich doch selbstbestimmt agieren können und positiv unterstützt werden, auch wenn es vielleicht leider nicht der medizinisch konventionelle Weg ist.